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16.12.2016

Apotheker besorgt über Aufhebung der Preisbindung

Apotheker1
Gronau/Kreis Borken. Im Oktober 2016 kippte der Europäische Gerichtshof (EuGH) die in Deutschland geltende Arzneimittelpreisbindung für ausländische Versandapotheken. Verschreibungspflichtige Arzneimittel unterliegen in Deutschland der Preisbindung, was einen Verstoß gegen europäisches Recht bedeutet, den freien Warenverkehr beschränkt und ausländische Apotheken diskriminiert, so das Urteil des EuGH. Ausländische Versender können demnach vom deutschen Apothekenverkaufspreis abweichen - nach oben wie nach unten. Auch die Gewährung von Rabatten bei Bestellungen ist jetzt möglich.

`Ein großer Nachteil für die örtlichen Apotheken, die weiterhin der Arzneimittelpreisbindung unterliegen“, kritisiert Dr. Joachim Wiegert (i. Bild re.), Kreisvertrauensapotheker für den Kreis Borken. Hier sei jetzt die Politik gefordert, so Wiegert, der gemeinsam mit seinen Berufskollegen Jörn Drost (2. v. re.) und Martin Jochheim (i. Bild li.) aus Gronau die SPD-Bundestagsabgeordnete Ingrid Arndt-Brauer zu einem Gespräch einlud. Die Apotheker erläuterten der Politikerin, dass eine Versandapotheke den Beratungsbedarf der Kunden, der auch ein Stück Sozialarbeit bedeute, den Rund-um-die-Uhr-Notdienst, Krisenmanagement bei nationalen Notlagen sowie die heilberufliche Versorgung nicht bieten könne. `Jedes vierte Rezept muss mit den Patienten diskutiert werden´, verdeutlichte Jörn Drost und ergänzte, dass häufig auch Rückfragen beim Arzt erforderlich seien, was eine Versandapotheke nicht leisten könne und wolle, da hier der Profit im Vordergrund stünde.

Die Folge: Strukturen vor Ort seien kaum noch zu erhalten, sind sich die Apotheker sicher. Da der Versandhandel in Ländern sitze, in denen deutsches Recht nicht gelten, sieht Wiegert zudem die Gefahren von Medikamentenfälschungen, Plagiaten und okkupierten Patenten, die für die Patienten mit hohem Risiko behaftet seien.

Mit dem EuGH-Urteil seien für die ausländischen Versandapotheken Bedingungen geschaffen worden, mit denen die Apotheken vor Ort nicht mithalten könnten, so Drost. Auf Nachfrage von Arndt-Brauer, ob die Gleichstellung bei der Gewährung von Rabatten hilfreich für die örtlichen Apotheken sei, stellte der Apotheker klar, dass es damit möglicherweise keine Preisgrenze mehr gebe und somit auch höhere Kosten für die Krankenkassen und Patienten entstehen könnten.

`Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) hat zwar direkt nach dem EuGH-Urteil verkündet, den Arzneimittelversand von verschreibungspflichtigen Medikamenten zu verbieten, hat sich aber offiziell noch nicht wieder dazu geäußert´, so Arndt-Brauer. Sie wies darauf hin, dass die juristische Handhabe dafür ungeklärt sei. Die Abgeordnete versicherte den Apothekern aber, dass sie für die Thematik sensibilisiert sei und diese auch nochmals an ihre Fachkollegen herantragen würde.

Einig war man sich abschließend, das eine qualitativ hochwertige Versorgung mit Arzneimitteln in Deutschland garantiert werden müsse.